Feb 012014
 

Die BI unterstützt die Klage des NABU Mecklenburg Vorpommerns gegen die Genehmigung, Deponiebereiche mittels einer sogenannten Multifunktionsabdichtung zu trennen.
Nach gültiger Deponieverordnung  müssen Deponieteile baulich voneinander getrennt werden. Das staatliche Amt für Landwirtschaft, Umwelt und Natur  Schwerin erteilte der IAG für diese wesentliche Änderung eine Plangenehmigung. Damit wurde erneut die Gelegenheit verpasst, erstmalig auf dieser Deponie ein Planfeststellungsverfahren mit einer Öffentlichkeitsbeteiligung und einer Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen.
Die Genehmigungsbehörde stellte in einer Vorprüfung fest, dass von diesem Vorhaben keine Gefahr für die Umwelt ausgeht.
Diese Ansicht teilen wir nicht. Es sind zahlreiche Umweltverschmutzungen dokumentiert, die Mitarbeiter tragen ein 80% erhöhtes Krebsrisiko, Grundwasser- und Oberflächenwasserschäden sind seit Jahrzehnten bekannt. Gerade erst wurde veröffentlicht, dass in einem Grundwasser in 37m unter GOK das deponiebürtige krebserregende Vinylchlorid 600fach über dem festgelegten Schwellenwert gefunden wurde. Die BI hatte öffentlich gemacht, dass das radioaktive Tritium von der Deponie Ihlenberg emittiert wird und über den Wasserpfad und nach unserer Vermutung auch über Deponiegase in die Umgebung gelangt.
Bei der vorgesehenen Abdichtung dient diese einem alten Deponieteil als Oberflächenabdichtung und gleichzeitig einer darauf errichteten neuen Deponie als sog. Basisabdichtung.
Durch das Aufbringen von viele Tonnen giftiger Abfälle wird der alte Deponieteil, in dem sich immer noch hochgiftiges Sickerwasser befindet, vermutlich zusammengedrückt. Dies würde in den Bereichen, in denen die Deponie Ihlenberg keine Basisabdichtung mittels einer Folie hat, mit aller Wahrscheinlichkeit zur weiteren Kontamination im Untergrund und Grundwasser führen. Schon das Geologische Landesamt MV stellte 1990 fest, dass 48 m³ Sickerwasser täglich im Untergrund verschwinden. Schon damals hätte die Notbremse gezogen werden müssen! Es hätte auf den Teilen der Deponie, die keine Basisabdichtung haben, kein Müll mehr abgekippt werden dürfen! Doch auch diese Bereiche wurden bis zum letzten Zentimeter verfüllt.
Und die Teile der Deponie, die keine Basisfolie haben, sind größer als befürchtet, wie folgende Fotomontage zeigt
image

Die rot- punktierten Flächen sind die ohne Basisfolie und auch die aktuell beschickten Deponieflächen liegen offenbar auf diesen Bereichen. Quellenangabe: Foto: Google Satellitenfoto und Flächen ohne Basisfolie: Gefährdungsabschätzung Dr.Krengel Grundwasserschaden Bockholzberg
Eine große Bedrohung für Umwelt und Natur und es ist uns ein Rätsel, wie eine Genehmigungsbehörde darüber hinweg sehen kann!
Dagen muss im Sinne aller vorgegangen werden!
Wenn Sie auch der Auffassung sind, können Sie helfen: spenden Sie Geld, damit diesem Treiben ein Ende gesetzt wird. Bei solchen offensichtlichen Gefahren hätte eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung durchgeführt werden müssen. Helfen Sie mit, wir sind es der Natur und unseren Kindern schuldig!
Spenden sind steuerlich absetzbar, da wir ein anerkannt gemeinnütziger Verein sind.
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 Veröffentlicht von am 15:13
Sep 092013
 

Am 8. August 2013 strahlte NDR info ein Interview mit dem Thema „Wie krank macht die Deponie Ihlenberg?“ aus.

Worum geht es in diesem Interview? Im Jahre 2006 wurde durch die Universität Greifswald (Prof.Dr.med. Wolfgang Hoffmann) eine epidemiologische Studie erstellt, die herausfinden sollte, ob es für die Mitarbeiter der Deponie Ihlenberg und die Anwohner ein erhöhtes Krebsrisiko gibt oder nicht. Vorausgegangen waren Recherchen unserer BI, die die Vermutung nahe legten, dass es etliche Mitarbeiter gab, die an Krebs erkrankt oder schon verstorben waren. (es sei nochmal angemerkt, dass auf der ersten stattgefundenen Beiratssitzung der Umweltbeirates der Deponie Ihlenberg im Jahr 2001 der damalige Geschäfstführer der IAG behauptete, es gäbe keinen einzigen Krebsfall unter seinen Mitarbeitern, der damalige Umweltminster teite später in einer PM  mit, dass das Risiko der Mitarbeiter, an Krebs zu erkranken, unter Druchschnitt läge, bevor die Untersuchung überhaupt stattgefunden hatte.)

Untersucht wurden dann nach strengen wissenschaftlichen Normen alle Mitarbeiter, die jemals auf der Deponie Ihlenberg zwischen 1984 und 2004 gearbeitet hatten.Dazu waren zahlreihe Befragungen verschiedender Institutionen notwendig: Melderegister, Krebsregister u.v.a.

Die Studie stellte im Ergebnis ein 80% erhöhtes Krebsrisiko für die Mitarbeiter fest, für die Anwohner wurde glücklicher Weise (noch) kein erhöhtes Risiko festgestellt.

Der Autor der Studie, Prof. Dr. Hoffmann, ist ein international hoch anerkannter Experte genau für diese Fragestellung, genoss beim Betreiber, der Landesregierung und den Kritikern der Deponie hohes Ansehen und seine Schlußfolgerungen wurden allseitig aktzeptiert. Klar waren sich alle Beteiligten, dass diese Studie solange fortgesetzt werden muss, bis das Risiko der Mitarbeiter auf einen „normalen“ Status verlässlich angekommen ist.

So wurde von der  Auftraggeberin der Studie , der GAA (Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Altlasten Mecklenburg-Vorpommern mbH) beschlossen und in einer Pressemitteilung 2009 letztmalig veröffentlicht, dass diese Studie weitergeführt werden soll.
Dennoch ist nichts mehr passiert, warum? Ergebnisse, zumal, wenn eine 80%tige Erhöhung dabei herauskommt, sind alles andere als beruhigend und vor allem schaden sie dem Image und stehen natürlich auch künftigen Vorhaben im Weg. Wie allgemeinwohlverträglich ist eine Anlage, wenn eine erhöhte Krebsrate existiert? Oder gibt es weitere Erkrankungen unter den Mitarbeitern und wird die Studie deshalb nicht fortgeführt, weil man Angst vor den Ergebnissen hat?
Oder liegt es an dem neuen Geschäftsführer bei der GAA , einen ehemaligen Geschäftsführer der Deponie? Vielleicht hatte man auch gehofft, das Thema würde sich von alleine erledigen. Doch 2 Dinge lassen sich nie langfristig unter den Teppich kehren: Vergiftungen der Umwelt und hier besonders des Wassers und gesundheitliche Folgen. Und somit hat der Beitrag des NDR offenbar einen so empfindlichen Nerv getroffen, dass die  IAG auf ihrer Internetseite einen Brief an den NDR veröffentlicht, in dem sie sich über die Berichterstattung beklagt. Solche Schreiben mag der NDR kennen und sicher auch richtig einzuordnen wissen.Nur der letzte Satz in diesem Brief offenbart genau das, was der NDR zurecht kritisch hinterfragt hatte: dort heißt es:
„Ach ja, Herr Vick zitierte den Autor der Studie, den Greifswalder Prof. Hoffmann, mit der Aussage „solange man ein erhöhtes Krebsrisiko messen kann,……… ist aus meiner Sicht ein Monitoring erforderlich„. Das wir ja tatsächlich betreiben!“ Quelle : IAG
Es findet zwar ein Biomonitoring der Mitarbeiter statt, dies aber durch den Betriebsarzt der IAG (dabei sollen mutmaßlich bei etlichen Mitrarbeitern erhöhte Cadmiumwerte im Blut festgestellt worden sein), dieses hat nichts, aber auch gar nichts mit einer epidemiologischen externen und unabhängigen Krebsuntersuchung und deren Zielstellung zu tun, bei der ja auch die ausgeschiedenen Mitarbeiter (durch Kündigung, Pensionierung ect) mit erfasst werden (müssen). Ein Biomonitoriung der Mitarbeiter ist eine sinnvolle Ergänzung zu einer epidemiologischen Untersuchung, kann sie aber in keinem Fall ersetzen.
Also ist diese Aussage entweder aus fachlicher Unkenntnis entstanden oder es wird eben wieder eine „Nebelkerze“ geworfen, um die Menschen zu verunsichern. Wer hier nicht mit Offenheit und Wahrheit spricht, verspielt Vertrauen!
Bedenklicher ist schon zu bewerten, dass von Amtsträgern im Landkreis die Wissenschaftlichkeit der Studie insgesamt angezweifelt wird. Dies allerdings wieder einmal von Personen, die medizinisch und epidemiologisch absolute Laien sind. Wer mehr zu dieser Studie wissen will, sollte mit dem Autor der Studie Prof. Hoffmann in Kontakt treten.
Wir werden entschieden dafür eintreten, dass diese Studie von Prof. Hoffmann weitergeführt wird, auch im Sinne der Beschäftigten, denn eine weiterhin und dauerhaft erhöhte Krebsrate hätte wohlmöglich auch Auswirkungen auf die Rentenansprüche der Betroffenen und Hinterbliebenen. Und es sei gerne nochmal angemerkt, dass die BI es war, die schon 2001 vom Land Mecklenburg- Vorpommern und der IAG forderte, für die Betroffenen einen Fonds zu bilden, um sie und ihre Angehörigen und Hinterbliebenen zu unterstützen, leider ohne Erfolg.
Als Abschluss noch eine Anmerkung:
Schon als 2008 die Ergebnisse der Studie veröffentlicht wurden, versuchte der damalige Staatssekretär des Wirtschaftsministerium, Zweifel an einem kausalen Zusammenhang zur Arbeit(der bis heute nicht untersucht ist) auf der Deponie zu säen: er zögerte in einem damaligen Interview nicht, private Lebensumstände der Mitarbeiter anzuführen und mutmaßte, man wisse ja nicht, was für einen Teppichkleber die Mitarbeiter zuhause verwenden würden.
Im obigen Interview wird nun auf die die Schutzkleidung verwiesen und auf der Besichtigung der Kreistages auf der Deponie im August 2013 soll die Bemerkung gefallen sein, die Mitarbeiter, die auf der Deponie arbeiten, würden ja eher einen ungesünderen Lebenswandel führen.
Solche Aussagen sind bzw. wären nicht nur unfair und unredlich, sondern es fände auch keine Würdigung der Menschen statt, die die giftigen Hinterlassenschaften unserer Wohlstandsgesellschaft nach den Bedingungen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden, seit 1979 vergraben, behandeln und beseitigen.  Dafür verdienen diese Menschen zunächst einmal Respekt.
Zum einen war der „persönliche Lebenswandel“ noch nie Gegenstand einer Untersuchung, alle Aussagen dazu sind also reine Spekulation und Ablenkung und zum anderen darf nicht vergessen werden, dass in einer Vielzahl von Müllanlieferungen krebserregende Substanzen enthalten sind.
Außerdem sind erst gerade Stoffe „neu“ entdeckt worden, die es vermutlich immer schon auf der Deponie gegeben hat:z.B. das radioaktive Tritium, das das Deponiegelände über das Wasser ungefiltert verlässt und vermutlich genauso im Deponiegas enthalten ist, dort aber nicht gemessen wird. Was mag es in diesem Müllberg, in dem pausenlos chemische Reaktionen ablaufen, noch an „neuen“ Stoffen geben, die einfach nicht gemessen werden, weil man sie gar nicht kennt?
Übrigens: im damaligen Arbeitskreis Gesundheit des Umweltbeirates der Deponie Ihlenberg wurde beschlossen, dass parallel zur epidemiologischen Krebsuntersuchung eine toxikologische Untersuchung durch die Universität Kiel (Dr. Hermann Kruse) durchgeführt werden sollte, die  mögliche Schadstoffpfade auf der Deponie untersuchen sollte. Diese Untersuchung wurde aber nicht durchgeführt, sondern später ohne Beteiligung des Beirates ein Bremer Institut beauftragt, arbeitsplatzspezifische toxikologische Untersuchungen vorzunehmen. Die Ergebnisse sollten schon vor 3 Jahren dem Beirat zugänglich gemacht werden, sind es bis heute aber nicht und angeblich ist die Studie immer noch nicht abgeschlossen. Diffuse Emissionen, die bei Deponien durchaus auftreten können, müssten allerdings ebenso toxikologisch untersucht werden, wie der Boden, Sedimente und die Pflanzen auf der Deponie und dem Umfeld, da diese auch ein „Langzeitgedächnis“ für Belastungen bilden und Rückschlüsse auf Gefährdungen zulassen.
 Veröffentlicht von am 17:23
Aug 032013
 

Wir hatten ja schon ausführlich über die vom LUNG (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie) durchgeführten radioaktiven Messungen im Sickerwasser der Deponie Ihlenberg berichetet, die seit 2011 halbjährlich durchgeführt werden.

Dabei wurden Werte von 575 Bequerel/Liter Strahlung für das Tritium gemessen, der Hintergrundwert für unbelastetete Gewässer liegt bei 2-4 bq/l. Uns interessierte natürlich sehr, wo gemessen wurde und ob sich die Werte durch die deponieeigene Sickerwasserreinigungsanlage verändern könnten.

Auf Nachfrage, wo denn genau gemessen wurde, teilte das Landesamt nun mit, dass im Permeatbecken vor Einleitung in das sog. „Biotop“ gemessen wird.

Dies bedeutet, es handelt sich bei diesem Wasser nicht um das „belastete“ Sickerwassser, sondern um das durch die Umkehrosmoseanlage gereinigte Wasser.

Damit hat sich unsere Vermutung bestätigt, dass auch eine moderne Sickerwasserreinigungsanlage nicht in der Lage ist, radioaktives Tritium herauszufiltern. Insofern sollte die IAG diesen Satz auf Ihrer Webseite hinsichtlich des „Reinheitsgebotes“ und des Wortes „schadstofffrei“ überarbeiten:

Hier (Anm.:gemeint ist das „Biotop) reichert sich das gereinigte, schadstofffreie Sickerwasser mit Sauer-
stoff, Mineralien und anderen notwendigen Stoffen an, so dass es schließlich an den natürlichen Vorfluter abgegeben werden kann.

Die BI fordert daher nun umgehende Tritiummessungen aller Grund- und Oberflächenmessstellen, um Belastungen und Schadstoffpfade aufzuzeigen, denn wenn Tritium in den Gewässern oberhalb des Hintergrundwertes vorhanden ist, gibt es eine Verbindung zur Deponie. Außerdem kann man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, das die radioaktiven Abfälle nicht gleichmäßig in der Deponie verteilt sind. Beim jetzigen Messpunkt dürfte daher schon eine deutliche Verdünnung eingetreten sein.Wichtig wären Sickerwasseruntersuchungen auf Radioaktivität in den verschiedenen Bauabschnitten der Deponie, um die Lokalität der strahlenden Abfälle herauszufinden. Hier wäre dann mit deutlich höheren Konzentrationen zu rechnen und vermutlich nicht nur, was das Tritium betrifft. Dies wäre auch für die Gesundheit der Mitarbeiter wichtig, da z.B. Tritium sicher auch im Deponiegas vorhanden ist, dort aber nicht gemessen wird!

 Veröffentlicht von am 16:52
Aug 032013
 

Wie die Lübecker Zeitung Samstag Aktuell am 20.7.2013 berichtete,hatte die Ihlenberger Abfallgesellschaft (IAG) die vom Wirtschaftsminister Glawe rausgeworfenen Mitglieder des Beirates für Umweltfragen der Deponie Ihlenberg(vormals Deponie Schönberg) sowie Mitglieder des neuen Umweltausschuss der Hansestadt Lübeck zu einer Besichtigungstour eingeladen.
Als diese auf der Deponie Radioaktivität messen wollten,wurden sie der Deponie verwiesen.
Warum eigentlich? Seit Jahren beteuern Deponiebetreiber und das Land Mecklenburg-Vorpommern, dass es keine Radioaktivität auf der Deponie gäbe.
Was also hätten die Besucher der Deponie messen sollen? Nun ist mittlerweile das radioaktive Tritium im Sickerwasser in einer Konzentration nachgewiesen, die ca. das 200 fache über dem natürlichen Hintergrundwert liegt. Schlummern in der Deponie doch strahlende Altlasten? Nur so ließe sich der Rauswurf am 13.7. erklären. Offenbar machte ein Geigerzähler den Geschäftsführer der IAG derart unruhig, dass er die Messung nicht nur nicht untersagte, sondern die Beteiligten gleich vom Gelände gejagt hat, obgleich auf der Deponie doch alles in Ordnung ist(Achtung: dies sehen wir anders…)

 Veröffentlicht von am 11:32
Jul 042013
 

Die BI hatte im Jahr 2011 aufgedeckt, dass mindestens 15000 Tonnen sog. frei gemessene radioaktive Abfälle aus dem Abbruch des AKW Lubmin auf der Deponie abgekippt worden sind.
Im Interview mit dem NDR äußerten sich Wissenschaftler grundsätzlich gegen das Verbringen von strahlendem Abfall ( auch frei gemessener Abfall strahlt, nur unterhalb von willkürlich festgesetzten Grenzwerten).s.NDR info Interview
Der Fachinformationsdienst Strahlentelex bezeichnete nach Vorlage der Informationen die Praxis des Freimessens als Bluff! Prof.Dr.med. Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald dazu: „Das Wort „Freimessen“ suggeriert ja, dass da anschließend Freiheit von Risiko, Freiheit von Gesundheitsgefährdung da ist. Das ist natürlich nicht der Fall.“
Nun hat die BI erste Werte von gemessener radioaktiver Strahlung im Sickerwasser der Deponie:

Analyse Radioaktivität Sickerwasser Deponie Ihlenberg Quelle Messungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) MV

Analyse Radioaktivität Sickerwasser Deponie Ihlenberg Quelle Messungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) MV

 

Wundern sich sich bitte nicht über die Messwertdarstellung: hier wird die wissenschaftliche Notation vorgenommen: Das E steht dabei einfach für 10x, wobei x die Zahl ist, die nach dem E steht. Ein paar vergleichende Werte:

Vergleichswerte Tritium Konzentrationen
Quellen: Jahresbericht Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung
von 2006 und Messungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen des §3 der Strahlenschutzverordnung

 

Im  Interview mit den Lübecker Nachrichten am 07.05.2011 sagt dazu der Geschäftsführer der Deponie:

LN: Selmsdorfer forderten unlängst in einer Bürgerversammlung mehr Informationen über radioaktive Strahlung, die ihrer Ansicht von der Deponie Ihlenberg und deren Sickerwasser ausgehen könnte. Haben wir es da mit einer typisch deutschen Hysterie in Folge des Reaktorunfalls in Fukushima zu tun?
Krüger: Mein persönlicher Eindruck ist: Ja. Radioaktivität bedeutet ja, dass ein Material strahlt. Und es gibt natürliche Radioaktivität. Wenn Sie ins Gebirge gehen, etwa ins Fichtelgebirge oder auf die Zugspitze, sind Sie einer natürlichen radioaktiven Strahlung ausgesetzt, die sich deutlich von der unterscheidet, die, ich sage mal, auf der Ostsee ist oder irgendwo auf einem Acker in Mecklenburg. Radioaktivität ist aber
überall. Deshalb kann man nicht behaupten, es gibt keine Radioaktivität hier. Die Frage ist nur, in wieweit ist sie schädlich und in wieweit haben wir es mit einer Strahlungsquelle zu tun, die gesundheitsbeeinträchtigend wirkt.
LN: Gibt es denn radioaktive Strahlung auf der Deponie oder nicht?
Krüger: Das ist hier nach allem, was ich über die Deponie gelernt habe, nicht der Fall.Hier sind in der Vergangenheit freigemessene Abfälle aus Lubmin hingekommen. Es ist so: Wenn man ein Kraftwerk zurückbaut, dann gibt es nicht nur einen hochradioaktiven Teil, sondern auch ein ganz normales
Verwaltungsgebäude, Papierkörbe und so weiter. Wenn die Strahlung dort unter einem sehr geringen Wert ist, sagt das Atomrecht: Da haben wir nichts mehr mit zu tun. Es ist sozusagen so gering belastet wie im Fichtelgebirge. Und so etwas ist hierher gekommen. Warum heute gesagt wird, dass im Sickerwasser Radioaktivität ist, vermag ich nicht zu sagen.
Einen Kommentar zum Inhalt und dessen Qualität verkneifen wir uns an dieser Stelle.

Für uns besorgniserregend sind die Werte für das radioaktive Isotop des Wasserstoffs Tritium, das in der Natur so gut wie gar nicht vorkommt, sondern fast ausschließlich durch Atomwaffentests und der Nutzung der Kernenergie in die Umwelt gelangt. Der natürliche Gehalt von Tritium lag bei unter 1 Bq/l, heute in Grund- Oberflächengewässern bei 2-5 Bq/l. (und dies selbstverständlich auch im Fichtelgebirge und auf der Zugsspitze)
Im Deponiesickerwasser liegt der Wert bei bis 576 Bq/l Wasser. Dies liegt zwar unterhalb der Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung, aber fast 6- fach über dem Wert der Trinkwasserverordnung von 100 Bq/l.
Tritium hat aber noch eine fatale Eigenschaft: es gibt kein Verfahren, dieses radioaktive Isotop herauszufiltern, auch nicht mit der Umkehrosmoseanlage der Deponie, da es sich von der Größe nicht vom Wassermolekül unterscheidet. Es ist daher davon auszugehen, dass diese hohen Tritiumgehalte genauso im Vorfluter der Deponie,z.B. also im Rupensdorfer Bach zu finden sein werden.
Die Gefährlichkeit von Tritium wird zunehmend größer gesehen, da aufgenommenes Tritium von Pflanzen, Tieren und Menschen wie „normales“ Wasser verwendet  und so auch in Zellen eingebaut wird und dort als Betastrahler das Erbgut schädigen kann.
Wissenschaftler machen heute z.T. das Tritium aus Kernkraftwerken, das in sehr hohen Mengen im Kühlwasser und in die Luft entweicht, für die signifikante Erhöhung der Leukämierate bei Kindern im Umkreis aller deutschen AKW verantwortlich. Wobei wir auch bei der Festsetzung der aus unserer Sicht viel zu hohen Grenzwerte für Tritium sind: wie schon oben geschrieben, lässt sich Tritium durch kein Verfahren filtern und es fällt in großen Mengen bei der Kernspaltung an. Bei niedrigen, dem Vorsorgeprinzip geschuldeten Grenzwerte von Tritium ließe sich kein AKW mehr betreiben…..
Wikipedia sagt zu Tritium und seiner „Gefährlichkeit : Eine französisch-belgische Studie von 2008 kommt zum Schluss, dass seine radiologischen Wirkungen bisher unterschätzt wurden: Es kann sich z.B. in die DNA (Erbsubstanz) einlagern, was vor allem bei einer Schwangerschaft problematisch sein kann.[13] Eine andere Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass die Wirkung bisher um den Faktor 1000–5000 unterschätzt worden sein könnte.[14]
Was bedeutet das für uns?
1. Im Sickerwasser der Deponie befinden sich radioaktive Substanzen, die sich nicht mehr heraus filtern lassen und in die Umgebung gelangen.
2. Radioaktive Substanzen können nur im Sickerwasser der Deponie enthalten sein, wenn auch radioaktive Abfälle dort abgelagert wurden.
3. Es müssen umgehend alle Grundwasser und Oberflächengewässer auf Tritium untersucht werden, gibt es Werte, die oberhalb der „natürlichen“ liegen, liegt ein Einfluss der Deponie vor, denn Tritium ist nun eben auch ein eindeutiger und sehr feiner Marker für Undichtigkeiten der Deponie. (die einzige „gute“ Nachricht in diesem Artikel)
4. Die Vorfluter der Deponie entwässern über zahlreiche Gewässer, in denen geangelt, Fischzucht betrieben und gebadet wird. Letztlich mündet ein Teil immer im FFH Schutzgebiet Dassower See.
5. Sollten in den Oberflächengewässern rund um die Deponie radioaktives Tritium gefunden werden, müsste umgehend die Bevölkerung informiert werden, damit jeder selbst entscheiden kann, ob und wie er die Gewässer weiter nutzt.
6. Da Tritium ein Gas ist, ist davon auszugehen, dass es auch im Deponiegas enthalten ist. Daher muss das radioaktive Isotop auch im Deponiegas gemessen wird, dazu gehören auch die Emissionen des Blockheizkraftwerkes und der Gasfackel
6. Und letztlich sind wir wieder bei unserer „alten“ und immer wieder aktuellen Grundforderung: es muß endlich eine umfassende toxikologische Untersuchung auf deponiebürtige Schadstoffe in Wasser, Boden und Luft durchgeführt werden. Diese Untersuchung muss von einem Expertenteam durchgeführt werden, dass unabhängig vom Betreiber und vom Eigentümer (dem Land Mecklenburg-Vorpommern) und von Seiten der Deponiebetreiberin und den Kritikern der Deponie Akzeptanz findet.

In Schleswig Holstein wurden folgende Tritiumwerte gemessen:

In Schleswig Holstein gemessene Tritiumwerte in Grundwasser, Trinkwasser und Deponiesickerwasser im Vergleich mit der Deponie Ihlenberg.
Quelle:Messumfang für Schleswig-Holstein gemäß AVV-IMIS vom 13. Dezember 2006

Sie wollen mehr über die Strahlenschutzverordnung und deren kritischer Beurteilung durch Ärzte wissen:

Warum wird als Refernenz für die Gefährlichkeit von radioaktiver Strahlung ein erwachsener Mann genommen und nicht ein menschlicher Embryo, der besonders gefährdet ist?

Die faulen Punkte der Strahlenschutzverordnung

Die alten Zöpfe der Strahlenschutzverordnung abschneiden

Die stille Katastophe

Radioaktive Hintergrundstrahlung bedeutet Erhöhung des Krebsrisikos und der Säuglingssterblichkeit „Sowohl die Krebsrate (alle Malignome) als auch die Säuglingssterblichkeit zeigen eine signifikante Abhängigkeit von der Höhe der Hintergrundstrahlung.“

Verwaltungsvorschrift

 

 

 

 

 Veröffentlicht von am 16:01